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0001: <b>Bild:</b> International Wolf Center in Minnesota, USA<br>
0002: <br>
0003: Der Wolf steckt gewissermaßen in der Falle zwischen teilweise romantisch
0004: verklärtem bis realitätsfernem Tierschutz, unvorbereiteter Staatsbürokratie,
0005: hilflosen Tierhaltern, trophäenversessenen Jägern und seiner Natur, für die er
0006: nun mal nichts kann. Und so lauten die Rezeptvorschläge je nach
0007: Glaubensrichtung: "abschießen sofort" oder "schützen total", ohne Rücksicht
0008: auf Verluste welcher Seite auch immer. Doch so funktioniert es nicht!<br>
0009: Natürlich ist der Wolf geschützt, Schafe und Ziegen dürfen deshalb aber
0010: kein Freiwild für ihn sein, auch sie verdienen Schutz, sind schließlich
0011: Existenzgrundlage ihrer Besitzer und Hüter. Grundsätzlich gilt:
0012: Wer dem Wolf in diesem Land eine Chance geben will ist verpflichtet, ihm
0013: auch die erforderliche Scheu zu erhalten, die ihn dann ganz natürlich von
0014: uns fernhalten kann. Man muß bereit sein, auch sein Gefahren- und
0015: Problempotential zu sehen. Bedingungsloser Wolfsschutz in Deutschland hilft
0016: niemandem. Nicht verängstigter Bevölkerung, verunsicherten Wanderern und
0017: Naturliebhabern, nicht den Viehwirten und am allerwenigsten dem Wolf selber.
0018: Dies zu steuern und den Spagat zwischen dem Schutz beider Seiten zu
0019: schaffen, ist Aufgabe des <b>Wolfsmanagements</b> der Landesregierungen.
0020: Auskunft über Ansprechpartner erteilt jedes Landratsamt.<br>
0021: Wolfsmanagement steckt hierzulande noch in den Kinderschuhen. Die Aufgaben
0022: sind komplex und man kann bislang auf keinerlei Erfahrungen zurückgreifen.
0023: Alles ist völlig neu. Eine simple Übertragung des weltweit anerkannten
0024: Wolfsmanagements im US-Bundesstaat Minnesota ist allein der nicht
0025: vergleichbaren Rahmenbedingungen wegen unmöglich.<br>
0026: Das Wolfsmanagement in Deutschland besteht aus drei Säulen:<br>
0027: <b>1. Lobbyarbeit für die Wölfe:</b>
0028: Wenn Wölfe in Deutschland wieder heimisch werden sollen, muss ihre
0029: Anwesenheit von der Bevölkerung akzeptiert werden. Hartnäckig hält sich das
0030: Vorurteil vom bösen Wolf. Sobald sich die Tiere in der Nähe bewohnter
0031: Gegenden ansiedeln, kommen Ängste hoch. Kann ich noch bedenkenlos im Wald
0032: spazieren gehen, mein Kind im Garten am Waldrand spielen lassen, mein Vieh
0033: über Nacht im Freien lassen? In dieser Situation ist es wichtig, dass für
0034: die Menschen sofort ein Ansprechpartner da ist. Mit ein wenig Aufklärung
0035: können die meisten Bedenken schnell ausgeräumt werden. Sicher ist: Der Wolf
0036: ist sehr scheu und meidet den Menschen. Nur selten bekommen Menschen Wölfe
0037: überhaupt zu Gesicht. Ein gesundes Tier greift einen Menschen nicht an, denn
0038: der Mensch gehört nicht zum Beutespektrum des Wolfs. Da die Tollwut in
0039: unseren Breiten ausgerottet ist, muss auch niemand einen kranken Wolf
0040: fürchten. Hunde gehören in Wolfsterritorien selbstverständlich an die Leine.<br>
0041: <b>2. Erfassung und Erforschung der bestehenden Wolfsrudel
0042: (Wolfsmonitoring):</b>
0043: Wo gibt es Wölfe? Was fressen sie? Wohin wandern sie? Wie alt sind sie? Wie
0044: setzen sich die Rudel zusammen? Das sind Fragen, denen Wolfsmanager nachgehen
0045: müssen. Hierzu werden Fährten verfolgt und ausgewertet, Kot- und DNA-Analysen
0046: gemacht, Fotofallen aufgestellt und einzelne Tiere mit einem Sender
0047: versehen.<br>
0048: <b>3. Schutz der Nutztiere:</b>
0049: Schafe und Ziegen gehören zur natürlichen Beute der Wölfe. Begegnen sie einer
0050: Herde dieser Nutztiere, dann erscheint sie ihnen wie ein "gedeckter Tisch".
0051: Sobald Wölfe in eine Gegend einwandern, müssen sich Schäfer, Ziegenhalter und
0052: Almbauern darauf einstellen. Wolfsmanager können sie beraten, welche
0053: Schutzmaßnahmen sie ergreifen können und müssen. Auch helfen sie wenn es doch
0054: zu einem Schaden kommt, nehmen Rissmeldungen auf und helfen bei der
0055: Beantragung der hierfür vorgesehenen Entschädigung.
0056:
0057:

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